Verabschiedung von Herrn Weiß

Sehr geehrter Herr Weiß,

sehr geehrtes Lehrerkollegium, liebe Schüler, liebe Eltern,

vor sechs Jahren wurde ich zum ersten Mal zum Elternbeiratsvorsitzenden am Emmy-Noether-Gymnasium gewählt. Mir war klar, dass ich in dieser Funktion auch die nicht immer ganz einfache Aufgabe übernehmen musste, die Interessen der Eltern gegenüber der Schulleitung zu vertreten.

Im Vorfeld hatte ich manche Schauergeschichten über gespannte Verhältnisse zwischen Schuldirektoren und Elternbeiräten an Gymnasien gehört, also war mir auch etwas mulmig zumute. Aber andererseits verfügte ich ja über einschlägige, positive Erfahrung aus der Zeit an der Grundschule.

Über Herrn Weiss war mir vor unserem ersten Zusammentreffen nur bekannt, dass er für einen Schulleiter geradezu progressiv sein sollte und an seiner vorherigen Schule ganz schön gewirbelt hat.

Tatsächlich haben wir recht schnell einen Draht zueinander gefunden und vereinbart, uns regelmäßig, d.h. einmal im Monat früh zu treffen, um uns über die laufenden Themen auszutauschen. Und da gab es im Laufe der Zeit einiges zu besprechen:

  • Gleich zu Beginn die kurzfristig entschiedene Einführung des G8, die sehr kontrovers diskutiert wurde und deren Abschluss im nächsten Schuljahr bevorsteht. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Schulversuche unternommen, die alle abgestimmt sein wollten.
  • Begleitet wurde die Einführung des G8 von Modus21, dem Modell „Unternehmen Schule im 21. Jahrhundert". Hier musste ein Katalog von unterschiedlichen Maßnahmen bewertet und diejenigen ausgewählt werden, die wir am Emmy einführen wollten. Damit waren alle Gremien über Monate hinweg intensiv beschäftigt.
  • Dann startete auch schon der Schulversuch Ganztagesgymnasium (GT), der in dem Ergänzungsbau gipfelte. Es war ein umfangreiches Projekt, mancher Arbeitskreis war und ist vonnöten.
  • Als wäre es nicht schon genug, trat dann die neue Gymnasiale Schulordnung (GSO) in Kraft, deren explizites Ziel es ist, den Schulen und ihren Gremien mehr Eigenständigkeit zu geben. Hier gab es neuen Regelungsbedarf, der wiederum gegenseitig informiert und abgestimmt werden musste.
  • Zweimal sind wir für den i.s.i-Preis im Bereich Innere Schulentwicklung für Gymnasien angetreten, zuletzt sehr erfolgreich. Kennzeichnend war, dass bei der Preisverleihung besonders der Innovationsgeist und das hohe Engagement am Emmy hervorgehoben wurden.
  • Nie ganz verlassen hat uns in der ganzen Zeit das Thema „gesunde Ernährung". Anfangs als Cafeteria-Lösung, später in Form des Catering. Ich prognostiziere, dass wir dieses Thema auch nicht zu einem endgültigen Abschluss bringen konnten.
  • Dann war da noch die Schulverfassung zu formulieren, diverse Info- und Diskussionsveranstaltungen zu bestreiten, zuletzt die EBIT auszurichten und natürlich auch noch das Tagesgeschäft, das uns manches Mal gefordert hat.

Wie Sie alle erkennen können, da waren spannende Themen dabei. Es gab manch kontroverse Diskussion, da Herr Weiß und ich naturgemäß auch nicht immer dieselben Interessen vertreten konnten.

In dieser Zeit habe ich Sie, sehr geehrter Herr Weiß, als einen unternehmerisch denkenden Menschen kennen und schätzen gelernt.

Sie haben ein tiefes Verständnis für die Anforderungen an die innere Schulentwicklung am Gymnasium, daraus haben Sie Ihre Strategie für das Emmy-Noether-Gymnasium abgeleitet und durch konkrete Projekte Realität werden lassen.

Sie haben immer gerne an Schulversuchen teilgenommen, um selbst die späteren Vorgaben beeinflussen und mitgestalten zu können. Sie sind lieber Beteiligter als Betroffener. Konsequenterweise setzen Sie sich auch für die Einführung moderner Führungsstrukturen an der Schule ein.

Mit dieser Haltung sind Sie sicherlich kein typischer Vertreter Ihrer Art und ganz sicherlich kein Verwalter, eher schon ein Verfechter modernen Schulmanagements. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Sie noch einmal eine neue Herausforderung annehmen wollen.

In einem Arbeitszeugnis für einen Manager würde es wohl so formuliert:

Herr Weiß scheidet aus unserer Schule auf eigenen Wunsch aus, um eine erweiterte Verantwortung zu übernehmen.

Wir bedauern seine Entscheidung sehr, da wir mit ihm eine wertvolle Führungskraft verlieren.

Wir bedanken uns bei ihm für seine stets ausgezeichnete Arbeit und wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Umgangssprachlich heißt das: es ist schade dass Sie gehen, aber wir freuen uns für Sie. Sie haben viel für das Emmy geleistet und dafür danken wir herzlich.

Ich darf hinzufügen: mir werden unsere Gespräche und der Erfahrungsaustausch fehlen, aber man trifft sich ja bekanntlich immer mehrmals im Leben.

In diesem Sinne im Namen der Eltern nochmals herzlichen Dank, viel Erfolg in Ihrer neuen Aufgabe und alles Gute für Sie und Ihre Familie!

Ihr

Markus Schiefer

Vorsitzender des Elternbeirates
www.emmy-eltern.de